• 25.05.2013, 17:36:02
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"Plädoyer für die Buntheit" (Von Hubert Patterer)

Ausgabe vom 26.05.2013

Utl.: Ausgabe vom 26.05.2013 =

Graz (OTS/Vorausmeldung) - Die Wähler ziehen frische Furchen durch
Österreichs politische Landschaft. Die wandelt und verlebendigt sich
von innen heraus. Der Sog kommt aus den Ländern. Das vermeintlich
statische Ländliche ist zum Motor des Umbruchs geworden. In Innsbruck
wie in Salzburg sind die Grünen zur Volkspartei aufgestiegen.
Angeführt von charismatischen weiblichen Führungskräften sickern sie
ins Establishment ein und modellieren die politische Topografie des
Landes zu neuen Gebilden.

Das weckt die Neugier und die Lust auf Demokratie. ÖVP und SPÖ lösen
sich aus ihrer macht-arithmetischen Abhängigkeit und Umklammerung.
Das Schwer-mit-einander-Können, aber zwanghafte Miteinander-Müssen
war jahrzehntelang Nährboden für zänkisches Unglücklichsein. Es
stärkte den Verdruss der Bürger. Diese bleierne Logik lockert sich
jetzt. Die Spannweite der Mehrheitsbildung vergrößert sich, der
Pendelschlag der Demokratie könnte farbenfrohe Wirklichkeit werden.

Daher: Es war richtig, dass sich die Grünen in Salzburg nicht als
Dekor für ein fortgesetztes schwarz-rotes Bündnis hergaben. Es wäre
im Kern eine Koalition des Trotzes gegen den Wählerwillen gewesen.
Ein innovativer Dreibund aus ÖVP, Grünen und dem Team Stronach
korreliert mit dem Wahlausgang schon eher, auch wenn die Volkspartei
mit der Hypothek moralischer Mitverantwortung für die Zocker-Affäre
einer solchen neuen Regierung ungeläutert vorstünde.

Die Prügel, die die Salzburger Grünen für die Annäherung an das Team
Stronach von den religiös Linksliberalen kassieren, sollten sie
entspannt über sich ergehen lassen. In Salzburg bot Stronach
Solidität auf. Ein achtbarer ehemaliger Bürgermeister und eine
Tormann-Legende taugen nicht zur Ächtung. Im Gegenteil. Es wäre an
der Zeit, neben dem berechtigten Hinweis auf die Skurrilitäten und
bisweilen sektenhaft anmutenden Gebären manch verhaltensorigineller
Mitstreiter auch das Positive wahrzunehmen. Die Stronach-Partei ist
die erste, die die FPÖ klein hält, ohne zu sein wie diese. Stronach
ist Gift für sie, und ein Antiserum hat Strache bis dato noch nicht
gefunden.

Der Austrokanadier macht es möglich, dass es Alternativen zur Großen
Koalitition ohne notwendige Partizipation der Freiheitlichen gibt.
Das ist eine zivilisatorische Leistung, zumal die FPÖ mit ihren
ideologisch delirierenden Rändern noch immer nicht klarkommt, wie der
Spuk in Oberösterreich zeigt. SPÖ und Grüne sollten daher Stronach
nicht dämonisieren, sondern ihm für die Konsolidierung seines
Personals und Programms alles erdenklich Gute wünschen. ****

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